Als Zusammenschluss engagierter Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer aus ganz Deutschland sehen wir uns in der Verantwortung, zur geplanten Reform der Fahrlehrerausbildung und Fahrschulstruktur sachlich Stellung zu nehmen.
Unser Ziel ist es nicht, zu polarisieren, sondern faktenbasiert aufzuzeigen, welche Auswirkungen die geplanten Veränderungen auf Ausbildungsqualität, Verkehrssicherheit und gesellschaftliche Verantwortung haben können.
Verkehrssicherheit beginnt nicht auf der Straße, sie beginnt in der Ausbildung.
Fahrlehrerverbände gegen Reform? Eine Klarstellung.
In einigen Medien, unter anderem in großen Zeitungen wird derzeit der Eindruck vermittelt, Fahrlehrerverbände, Fahrschulen und Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer seien grundsätzlich gegen Modernisierung und Kostensenkung.Das entspricht so nicht der Realität.
Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler,
gegen sinnvolle Modernisierung und transparente Kostenmodelle sind wir nicht. Im Gegenteil: Wir begrüßen jede Veränderung, die die Ausbildung effizienter macht, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden.
Innerhalb unseres Netzwerks haben wir deutschlandweit Rückmeldungen von Verbandsmitgliedern eingeholt. Viele Punkte der Reform werden durchaus differenziert betrachtet. Dort, wo Sicherheit und Qualität nicht beeinträchtigt werden, sehen wir durchaus Gesprächsbereitschaft.
Aber: Dort, wo es um Leib und Leben unsere Schülerinnen und Schüler und andere Verkehrsteilnehmer geht, gibt es für uns keine Kompromisse.
Wo wir konstruktiv mitgehen würden

1. Strategisch klug gestaltete Theorieprüfung
Eine sinnvolle Straffung von Prüfungsfragen kann effizient sein – sofern die inhaltliche Tiefe und das Verständnis für Verkehrsverhalten erhalten bleiben.
2. Optimierung der Prüfungsdauer
Eine angemessene Anpassung der Prüfungsdauer ist denkbar, wenn sie die Qualität der Leistungsbewertung nicht beeinträchtigt.
3. Mehr Prüfer zur Reduzierung von Wartezeiten
Hier sehen wir klaren Handlungsbedarf. Lange Wartezeiten belasten Fahrschüler finanziell und organisatorisch. Eine bessere personelle Ausstattung kann helfen.
Punkte, bei denen wir Kompromissbereitschaft sehen

1. Wahlmöglichkeit zwischen Online und Präsenztheorie
Eine flexible Gestaltung kann zeitgemäß sein, vorausgesetzt, die Qualitätssicherung bleibt gewährleistet.
2. Simulatoranteile (z. B. B197-Modell)
Ein ergänzender Einsatz von Simulatoren kann sinnvoll sein, wenn reale Verkehrssituationen nicht ersetzt, sondern vorbereitet werden.
3. Simulator nur mit professioneller Begleitung
Technik darf kein Ersatz für pädagogische Verantwortung sein. Der Simulator ist ein Werkzeug – kein Ausbilder.
Punkte, die wir kritisch sehen
1. Laienausbildung nach nur sechs Fahrstunden
Fahrkompetenz entwickelt sich nicht linear und nicht standardisiert.
Sechs Fahrstunden reichen nicht aus, um komplexe Verkehrssituationen eigenständig sicher zu bewältigen.
Fahranfänger unterschätzen häufig:
Gefahrenwahrnehmung, Blickführung, Stressreaktionen und Mehrfachbelastung in komplexen Verkehrsräumen
Die wissenschaftliche Verkehrspsychologie zeigt klar: Routine entsteht durch wiederholte, begleitete Erfahrung, nicht durch Minimalzeiten.
2. Reduktion der Sonderfahrten
Sonderfahrten (Autobahn, Überland, Nacht) sind keine Formalität.
Sie bilden genau die Situationen ab, in denen Unfallrisiken statistisch erhöht sind.
Eine Verkürzung würde bedeuten:
Weniger Erfahrung bei hohen Geschwindigkeiten Weniger Training bei Dunkelheit Weniger Sicherheitsroutine außerhalb des Stadtverkehrs. Das betrifft nicht Theorie, das betrifft reale Gefahren.
3. Marktsteuerung
Wenn Reformen primär auf Marktmechanismen setzen, besteht die Gefahr, dass Qualität durch Preisdruck ersetzt wird.
Eine zu starke Marktsteuerung kann bedeuten:
Billigangebote statt Qualitätsausbildung Wettbewerb über Preis statt über pädagogische Kompetenz Konzentration auf große Strukturen statt regionale Fahrschulen Gefährdung kleiner und mittlerer Betriebe
Verkehrssicherheit darf kein Produkt werden, das allein über Marktlogik geregelt wird.
Wir bilden keine Kunden aus, wir bilden Verkehrsteilnehmer aus.
Das ist ein Unterschied.
Punkte, die wir ausdrücklich ablehnen
1. Laienausbildung in der vorgesehenen Form
Als Fahrlehrer mit jahrelanger Erfahrung mit unterschiedlichsten Fahrschülern wissen wir:
Jeder Mensch lernt anders. Manche benötigen 10 Stunden, andere 30, um grundlegende Verkehrssicherheit zu entwickeln.
Die Fahrschüler-Ausbildungsordnung (§1 und §6) verpflichtet uns zur sicheren und verantwortungsvollen Ausbildung. Wir können und dürfen nicht nach wenigen Stunden eine Sicherheit attestieren, die faktisch noch nicht gefestigt ist.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Ein Fahrschüler fährt im geschützten Rahmen fehlerfrei. Doch in komplexen Verkehrsknotenpunkten, bei unerwarteten Reizen oder unter Zeitdruck zeigen sich Defizite in Gefahrenantizipation und Entscheidungsfindung. Diese erkennt man erst durch wiederholtes Training – nicht nach einem Minimalprogramm.
2. Verkürzung der Sonderfahrten
Die Reduzierung dieser Pflichtfahrten würde besonders junge Fahrer in Situationen bringen, die sie kaum realistisch trainiert haben:
Autobahnauffahrten bei starkem Verkehr Spurwechsel unter hohem Geschwindigkeitsdruck Nachtfahrten mit eingeschränkter Sicht Landstraßen mit erhöhter Unfallrate
Hier geht es nicht um Theorie, hier geht es um statistisch belegbare Unfallrisiken.
In unserer ausführlichen PDF-Stellungnahme erklären wir detailliert und nachvollziehbar, warum die geplante Reform voraussichtlich nicht zu einer echten Kostensenkung führen wird.
Im Gegenteil: Wir zeigen anhand konkreter Beispiele auf, dass sich die Ausbildungskosten unter bestimmten Bedingungen sogar erhöhen könnten.
Gleichzeitig legen wir dar, an welchen Stellen die vorgesehenen Änderungen die Verkehrssicherheit beeinträchtigen könnten, insbesondere dann, wenn Ausbildungsumfang reduziert oder Lernprozesse verkürzt werden.
Wer sich ein fundiertes Bild machen möchte, findet alle Argumente, Hintergründe und fachlichen Begründungen transparent in unserem vollständigen Dokument.👇🏻
Konkrete Vorschläge zur echten Kostensenkung, ohne Sicherheitsverlust


1. Steuerliche Entlastung für Fahrschüler (Erstausbildung)
Die Fahrerlaubnis ist für viele junge Menschen Voraussetzung für Ausbildung und Beruf.
Daher sollte die Fahrausbildung als berufsvorbereitende Maßnahme steuerlich absetzbar sein, zumindest anteilig.
Wirkung:
Direkte finanzielle Entlastung für Familien Keine Kürzung der Ausbildungsqualität Keine Gefährdung der Verkehrssicherheit
Das wäre eine echte Unterstützung statt einer Verkürzung der Inhalte.
2. Reduzierung der Kraftstoffkosten
Die hohen Kraftstoffpreise belasten Fahrschulen unmittelbar, diese Kosten werden zwangsläufig an die Schüler weitergegeben.
Mögliche Maßnahmen:
Steuerliche Entlastung für Ausbildungsfahrzeuge Förderprogramme für Hybrid- oder E-Fahrzeuge Spezielle Ausbildungs-Tarife für Fahrschulen.
Das würde Ausbildung günstiger machen, ohne eine einzige Fahrstunde zu streichen.
3. Übungsplätze schaffen – geschütztes Training mit Laienbegleitung
Bevor Schüler im komplexen Stadtverkehr fahren, könnten spezielle Übungsplätze genutzt werden.
Dort können: Anfahren Schalten Rangieren Blicktechnik
unter kontrollierten Bedingungen trainiert werden.
Mit klaren Regeln und begrenztem Rahmen kann hier auch begleitetes Training stattfinden, ohne den öffentlichen Verkehr zu gefährden.
Wichtig:Das ersetzt keine reguläre Ausbildung, sondern bereitet sie effizient vor.
4. Mehr Prüfer einstellen, Wartezeiten verkürzen
Lange Wartezeiten führen zu:
unnötigen Zusatzfahrstunden Mehrkosten psychischem Druck
Mehr Prüfkapazitäten würden direkt Kosten reduzieren, ohne Ausbildungsinhalte zu verkürzen.
Das ist einer der effektivsten Hebel.
5. Theorieunterricht effizienter strukturieren
Nicht weniger Theorie, sondern besser organisiert.
Zum Beispiel:
Blended-Learning-Modelle strukturierte Lernkontrollen gezielte Vorbereitung vor Prüfungsanmeldung
Bessere Vorbereitung = weniger Wiederholungen = geringere Gesamtkosten.
6. Simulator als ergänzendes Trainingsinstrument
Ein Simulator kann Grundfertigkeiten vorbereiten:
Kupplungskontrolle Gefahrensituationen Blickführung Notfallszenarien
Aber nur als Ergänzung unter professioneller Begleitung.
Das spart reale Übungszeit, ohne Sicherheit zu gefährden.
7. Transparente und verbindliche Prüfungsplanung
Klare, planbare Prüfungstermine vermeiden unnötige Zwischenstunden.
Digitale Terminplanung mit festen Zeitfenstern kann Kosten reduzieren, ohne Ausbildungsqualität zu beeinträchtigen.
Unser Appell an Eltern und Schüler

Wir verstehen, dass Reformen auf den ersten Blick attraktiv klingen:
kürzere Ausbildung, weniger Kosten, schnellere Prüfungen.
Doch als Verkehrspädagogen sagen wir ehrlich,
»Sicherheit entsteht nicht durch Verkürzung, sondern durch Qualität«
Wenn eine Reform umgesetzt wird, werden Sie selbst merken, ob die Ausbildung ausreichend war oder, ob zusätzliche Stunden nötig gewesen wären.
Unser Ziel ist nicht, Reformen zu blockieren.
Unser Ziel ist es, Sie und Ihre Kinder sicher durch die Ausbildung zu begleiten.
Verkehrssicherheit ist keine politische Debatte , sie ist eine Verantwortung

Erstellt von: Benjamin Sarfaraz
in Mitwirkung der Fahrlehrerinnen, Fahrlehrer und Fahrlehrer-Anwärter der Gruppe: FahrlehrerNetzwerkDeutschland Am 14.02.2026

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